Teenager

Letztens war ich, äh waren wir Schlittschuhlaufen. Im Klaren über beliebte Familienaktivitäten in einer Großstadt wie Berlin machte ich mich gefasst auf umherfliegende Kleinkinder, Platzwunden und viel Geschrei. Bereits auf der Hinfahrt redete ich mir gut zu, erinnerte mich an Kleinkinder in niedlichen Ski-Anzügen des Models Stern (ihr wisst schon – Maggie Simpson) und setzte ein halbwegs entspanntes Lächeln auf, für den Fall, dass so ein Stern versehentlich Blickkontakt aufnimmt – wir wollen ja niemanden mit unserem üblichen Gesichtsausdruck erschrecken. Kurz: Ich war bereit. Der Happy-Wochenend-Familiensamstag sollte mir nichts anhaben! Aber schon im Eingangsbereich merkte ich, dass ich eine potentielle Du-versaust-mir-mein-Wochenende-Gruppe der Gesellschaft nicht bedacht hatte.

Stockbeinig, Stimmbrüchig und irgendwie komisch angezogen füllten, nach Geschlechtern getrennt (Jungs sind nämlich doof, Mädchen aber auch), zahlreiche Teenager den Umkleidebereich und schon bevor der erste Halbstarke ein Stockbein mit „Ey, du dumme Fotze!“ anschrie, war ich fassungslos.

Teenager

Zunächst beeindruckte mich das herausragende Selbstvertrauen, mit dem sich die Jungs präsentierten, miteinander umgingen und sich beleidigten. Kaum ein Satz war nett, kein Gespräch funktionierte ohne Angriff auf Körperfülle oder Zahnspange des Gegenübers. Na gut, scheint die Art zu sein, wie Boys heutzutage kommunizieren: GIFS und Beleidigungen.

Viel schlimmer noch die Mädchen: Sie gaben sich zufrieden, ausgeglichen und mit sich im Reinen, wie ich es mit 80 noch nicht sein werde. An der Grenze zur Essstörung schleuderten mir die Stockbeine ihre 2 Meter lange Walla-Walla-Mähne um die Ohren und lächelten wie vor dem Spiegel eingeübt sexy-wohlwollend DIE GANZE ZEIT.

Ich hasse euch alle.

Wie macht ihr das nur? Seid ihr echt glücklich? Ich habe darauf vertraut, dass Facebook, Instagram und Co. alle zu sich selbst hassenden Borderlinern machen, aber die Realität enttäuscht: Die Generation Z scheint glücklich und zufrieden und sieht unglaublich gut aus. Ich verstehe die Welt nicht mehr.

Mein 15-jähriges Ich war das Gegenteil des modernen Ich-habe-mich-lieben-gelernt-Teenagers. Sätze wie „Dein Körper verändert sich“ haben damals eine ganze Generation verstört, Freunde beäugten sich missgünstig und schon vor Germany’s Next Topmodel hatte mindestens die Hälfte der Mädchen mit schweren Komplexen zu kämpfen. Lehrer im Durchschnittsalter über 60 mit entsprechend überholten Pädagogikvorstellungen taten zumindest bei mir ihr Übriges.

Ich gebe zu, vielleicht ist mein Bild des modernen Teenagers etwas verzerrt und vielleicht blicke ich schon durch die Brille der ersten End-Twenties-Sinnkrise. Wahrscheinlich ist gar nicht alles Gold, was glänzt, und vielleicht haben auch die Stockbeine ihre Probleme. Trotzdem, es hätte alles so viel besser laufen können damals. Ich bin neidisch.

Meinungen?

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