Art und Weise

Meine Mitmenschen erwarten von mir ein Minimum an Höflichkeit. Das habe ich so mitbekommen. Deshalb grüße ich meine Nachbarn im Treppenhaus, bin nett zu Servicepersonal und versuche meinen Freunden gegenüber einigermaßen verbindlich zu sein. Die gleichen zwischenmenschlichen Basics erwarte ich auch umgekehrt. Das Leben in Berlin bringt es aber leider mit sich, dass du dich irgendwann schon darüber freust, dass die ältere Dame in der Bahn dich nur mit ihrer Handtasche statt mit dem Jutebeutel voller Berliner Luft verhaut. So habe ich nach zwei Jahren in der Welthauptstadt des liebevollen Miteinanders und ausgeprägter Serviceorientierung meine Erwartungen zurückgeschraubt und mich angepasst. Auf meiner Stirn steht jetzt auch „Fuck you“.

Bedauerlicherweise zieht sich diese lebensbejahende Einstellung nicht durch jeden Bereich meines Lebens und gerade in puncto Dates werde ich immer wieder mit einem solchen Höchstmaß an Unhöflichkeit konfrontiert, dass es mich langsam an meine Verständnisgrenzen bringt. Wir sollten alle ein bisschen netter zueinander sein. Ich wette, jetzt fühlt sich wieder niemand angesprochen, ihr haltet schließlich der Dame die Tür auf, nehmt ihr den Mantel ab und habt am Ende die großen Spendierhosen an, wenn die Rechnung über zwei Cola und ’ne Sprite kommt. Nur sind das Dinge, auf die ich als gesunder Mensch mit zwei funktionsfähigen Armen und einem geregelten Einkommen ganz gut verzichten kann. Mir geht es um Situationen, die ein bisschen mehr Arsch in der Hose erfordern. Wenn wir etwas Kodex einhalten, hinterlassen manche Begegnungen vielleicht doch kein so schlechtes Gefühl.

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Absagen und Versetzen

Sehr gut, du hast nachgedacht, Prioritäten gesetzt und dich in 99% der Fälle für etwas entschieden, was du lieber machst, als dich mit deinem Date zu treffen. Das geht in Ordnung. Bevor du dich jetzt wieder deiner Abendgestaltung widmest, solltest du nur kurz den PS4-Controler aus der Hand legen, beweisen, dass du älter als zwölf Jahre alt bist und was halbwegs Freundliches in dein Telefon tippen. Möchtest du trotz deiner offensichtlichen Unzuverlässigkeit immer noch einen guten Eindruck hinterlassen, lieferst du sowohl Begründung, als auch Alternativvorschlag. Selbstverständlich bist du erwachsen genug, um auch ein Wort des Bedauerns zu äußern. Ich hoffe für dich, dass der kritische Absagezeitpunkt noch vor dir liegt, denn wenn nicht, sollte deine Nachricht in jedem Fall mit „Entschuldige, dass ich mich erst so spät melde, ich bin ein Idiot…“ anfangen. Das Überschreiten des kritischen Absagezeitpunktes kann zum Dealbreaker werden und ist an Respektlosigkeit nur noch zu überbieten, indem du dich gar nicht meldest.

Die ich-mag-dich-nicht-mehr-Message

Das Maß an Scheiße, welches durch diese Message verursacht wird, führt dazu, dass du eigentlich nur noch Schadensbegrenzung betreiben kannst. Entgegen der Meinung von face-to-face Menschen, bevorzuge ich hier den herrlich unpersönlichen Weg der Mail. Das erspart beiden eine unfassbar würdelose Situation und hilft dir, deinen Korb mit Bedacht zu formulieren. Wähle nette, ehrliche Worte, die deinem Gegenüber wenigstens ein bisschen das Gefühl vermitteln, dass du eine schöne Zeit hattest. Ihr wisst beide, dass das irgendwie nicht stimmen kann, aber trotzdem: es hinterlässt ein nettes Gefühl und am Ende zählt nur das. Ich brauche dich an dieser Stelle natürlich nicht darauf hinweisen, dass eine solche Message zwingend notwendig ist. Wenn du nur eine Sekunde daran gedacht hast, dich einfach gar nicht mehr zu melden, solltest du zur Strafe deinen Adressaten sofort heiraten.

Die du-hast-da-was-falsch-verstanden-Message

Auch wenn der flachste Vice-Artikel seit langer Zeit einen anderen Eindruck vermittelt: Mädchen verknallen sich in der Regel, wenn du ein bisschen cool bist. Glaub mir, wir finden das auch anstrengend. Wenn das Kind erstmal in den Brunnen gefallen ist, kannst du dich entweder dumm stellen, weitermachen und weitere Schritte Richtung Hölle gehen, oder deinen Mini-Mann stehen und Tacheles reden. Hast du vor, deine libidinösen Bedürfnisse weiterhin mit den emotionalen Sehnsüchten deines Lausemädchens kollidieren zu lassen, rate ich dir zu einer ähnlichen Formulierung. Lass dabei keine Missverständnisse aufkommen über deine Absichten und spiele mit offenen Karten. Das funktioniert bestimmt. Alles andere deckt sich weitestgehend mit der Ich-mag-dich-nicht-(mehr)-Message.

Fängst du was mit jemandem an, gehst du mal mehr, mal weniger Commitment ein. Das ist dein Bier, dafür musst du dich nicht rechtfertigen. In jedem Fall verpflichtest du dich aber zu einem Mindestmaß an Höflichkeit und Kinderstube, ob du willst oder nicht. Deine erwachsenen und zivilisierten Mitmenschen, deine Eltern und ich erwarten das von dir. Du kannst machen was du willst – es geht um die Art und Weise.

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